mehr Mal
2019
Digitaldruck auf Papier
Maße variabel
(eine Rapporteinheit: 192 x 200 cm)
“Warum wird mir der Himmel jetzt auffällig? (...) Er fiel ihm eigentlich nicht auf, er sah ihn nur, beteiligt ohne Hintergedanken. Einige Schritte lang beschäftigte er ihn, und zwar ausschließlich, so dass er nachher dachte: Ich möchte erreichen, diese selbstlosen und doch ausgefüllten Momente, wo man nichts extra beobachtet, wo einem aber auch nichts entgeht, länger auszuhalten.” 1
Noch im 18. Jahrhundert war eine Bedeutung von Klima (gr. Climat) eine körperliche Empfindung und körperliche Temperatur. Es war ein medizinischer Begriff der die Einwirkung der Summe aller allgemeinen oder gemeinsamen physikalischen Ursachen zum Ausdruck bringen sollte, die auf den Zustand der Bewohner eines Ortes einwirken können. 2
Sobald man verstanden hatte, dass die fossilen Funde in den verschiedenen “Himmelsgegenden” kein Nebeneinander, sondern ein Nacheinander waren, wurden schemenhafte Umrisse erkennbar, dass es zu grundlegenden Klimaveränderungen gekommen sein musste. Das Klima, verstanden als geographischer und zunächst noch statischer Ort, wird dynamisch, bei der Entdeckung der erdgeschichtlichen Tiefenzeit. 3
In der Romantik war die Figur des Schwebens die Figur der Entgrenzung schlechthin. Eine Figur, die – wie auch die Wolken- durch die ihr eingeschriebene Bewegung keine endgültige Gestalt annimmt und deren Konstante die Veränderung in ihrer Unendlichkeit ist, die die Ordnung zerfließen lässt. In dieser Poetisierung der Entgrenzung ist innerhalb dieser „formlosen Form“, die Unendlichkeit und gleichermaßen in einer metaphorischen Sichtweise, in ihrer Ungreifbarkeit, die Vereinigung mitangelegt. 4
Wiederholung wird in diesem Gedanken zu einer Frage der Kategorisierung, die nur durch Abstraktion oder gerichtete Wahrnehmung erreicht werden kann. Wodurch die Erfahrung eines Moments - selbstbeschreibend - durch Zustands- Orts- und Zeitbezogenheit, Singularität erlangt und nicht wiederholbar ist.
Wolken wurden in der Metaphorik oft mit utopischen Zuschreibungen Versehen.
Eine Oberfläche ist eine Schicht, die abhängig von ihrer Fragilität, Spuren aufnimmt, wodurch eine veränderte Schicht zur Oberfläche wird.
Mal mir ein Bild. Ein Mal, das durch seine Wiederholung zum Meer wird.
Bibliographie:
1 Die Stunde der wahren Empfindung; Peter Handke; 1978
2 Ein neues Klima im 18.Jahrhundert, Franz Mauelshagen, in: Romantische Klimatologie, 2016
3 Romantische Klimatologie. Eine Einführung, Eva Horn und Peter Schnyder, 2016
4 Das Schweben als Sphäre synästhetischer und sympoetischer Existenz, Toni Tholen, 2012
Ausstellungsansicht:
as artistic practice
Kuratiert von Franz Thalmair
11.04.-15.05.2019
fluc, Wien
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Ausstellungsansicht:
Transit #7
Kuratiert von Tsai-Yu Wu
27.-28.02.20
Paulusplatz, Wien
2
Image credits: Exhibition photographs by Tsai-Yu Wu